Pavillion

„Wie viel wiegt eine Schneeflocke?“,

fragte der Spatz das Eichhörnchen, als sie nebeneinander auf einem Ast saßen. „Nichts“, antwortete das Eichhörnchen. Letzte Woche, erwiderte der Spatz, zählte ich die Schneeflocken, die auf einen Ast fielen, 3.789.754, und als die 3.789.755. Flocke fiel, brach der Ast.“ Welche Schneeflocken fallen auf Ihr Unternehmen und werden es für immer verändern, wenn nur genug davon gefallen sind? Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht?

„Imperien wachsen und vergehen, Staaten fallen auseinander und schließen sich zusammen“, so beginnt der großartige chinesische Roman „Romance of the Three Kingdoms“ aus dem 14. Jahrhundert. Kommt Ihnen das aus der Unternehmenswelt bekannt vor? OK, die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge wandelten, war damals wohl eine andere. Mitteillungen transportierte der Kurier zu Pferde durchs Land nicht das E-Mail oder DHL. Ad hoc Meetings auf Flughäfen, zehnstündige Projektsitzungen mit Sandwich Pausen und Telefonkonferenzen, davon haben die damaligen Herrscher Chinas nie gehört. Deren gute alte ruhige Zeit – so sie es denn war – ist unwiderruflich vorbei. Ihr Wissen aber, wie man als Verantwortlicher mit signifikanten Veränderungen umgeht, dass steht uns heute noch zur Verfügung.

Die damaligen chinesischen Herrscher betrachten ihren Staat als einen lebenden Organismus: dynamisch, komplex und zu weiten Teilen nicht vorhersehbar. Alles was sie taten oder bewusst unterließen, wurde mit Blick auf den gesamten Organismus unternommen und bewertet. Keine Einzelaktionen, keine einseitig ausgerichteten Vorgehensweisen. Jede Maßnahme wurde im Kontext aller anderen und deren möglicher Folgen betrachtet. Daher wurden alle Maßnahmen zu modernisieren oder Bündnisse einzugehen durch ein Bündel von auf einander abgestimmten Aktionen in Gang gesetzt und durchgeführt. Konstantes Feedback aus allen Teilen des Organismus stellte sicher, dass der Plan jederzeit realistisch bewertet und notfalls angepasst werden konnte. Denn bei allem Voranschreiten galt es den Organismus in Balance und funktionsfähig zu erhalten.

„Wann schlug dies fehl?“, werden Sie sicherlich wissen wollen. Wenn das Verhalten des Herrschers arrogante Züge annahm und er aufhörte aufmerksam und ernsthaft auf das Feedback zu hören, das er erhielt. Wenn der Herrscher einigen Teilen seines Imperiums mehr Aufmerksamkeit schenkte als anderen. Wenn er sich vornehmlich um sein persönliches Wohlergehen zu kümmern begann. Wenn er seinen Kriegern, Beratern und Dienern gestattete lax und undiszipliniert zu werden, einfach zu verwalten statt zu hegen, oder Risiken aus dem Weg zu gehen, in dem sie keine Entscheidungen mehr trafen oder diese hinauszögerten. Wenn Sie genau hinsehen, sind die Parallelen zu unserer heutigen Unternehmenswelt deutlich. Jedes Fehlverhalten eine Schneeflocke, scheinbar ohne Gewicht und damit ohne Einfluss, aber eben nur scheinbar.

Ihre

Martina Violetta Jung

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