170px-Klaus_Schwab_(Davos,_2007-01-26)

Prof. Dr. Klaus M. Schwab, Gründer und Organisator des gerade wieder in Davos stattfindenden World Economic Forum, spricht davon, dass das bestehende weltweite Wirtschaftssystem sich in einer Burnout-Falle befinde.

Das System breche zusammen, es sei erschöpft. Mit Denken allein seien die komplexen Probleme nicht mehr zu lösen. Er erhofft sich vom diesjährigen Forum den Anstoß zu einem neuen Führungsmodell. Werte und Visionen seinen von Nöten.

 

Ich sehe die Situation ganzheitlich betrachtet so. Die Krise des Weltwirtschaftssystems ist nur ein Symptom. Die wahre Ursache liegt darin, dass die Menschen, die diese Systeme in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gebaut und heute in ihnen arbeiten, überwiegend vergessen haben, was ein menschliches Wesen ist und wie es denkt, spricht, fühlt und handelt, wenn es als Wesen arbeitet. Nämlich auf der Basis der Einheit von allem was existiert. Die Krise ist also eine des Menschen. Und es ist der Mensch, der die Systeme und die daraus resultierenden Krisen schafft.

Reduziert ein Mensch sein “Ich” auf sein Denken und die fünf Sinne, folgen alle Formen von Abgetrennt sein: egoistischer Kampf gegen einander, und rücksichtsloses Ausnutzen des Schwächeren und der Natur.  Alles um individueller Interessen von Macht, Status, Wohlstand und Äußerlichkeiten willen. Nur ein Mensch, der sein ganzes Wesen denkend, mit den fünf Sinnen wahrnehmend, fühlend sowie intuitiv wissend annimmt und lebt, erfasst die Einheit von allem, was existiert: alle Menschen, alle Bedürfnisse, alle Erfordernisse. Nur auf dieser Basis können Menschen und künftige Systeme sinnvoll arbeiten. Wir können daher die Systeme noch so oft anpassen und verändern oder gar neue Führungsmodelle entwickeln. Solange die Menschen nicht zu ihrem ganzen Wesen zurück gefunden haben, perpetuieren wir Chaos und Elend, für den Einzelnen und für die Gemeinschaft.

Unsere Gehirne, insbesondere die so viel strapazierte linke Gehirnhälfte, die alles logisch-analytisch zu zerhacken pflegt, sind nur für eine begrenzte Menge von Realität zugänglich. Es ist in etwa so als klimperten sie auf einem Klavier nur auf einer Oktave herum, obwohl der Klavier sieben davon hat.

Ich war Jahre Teil dieser begrenzten Sichtweise in der Arbeitswelt der Wirtschaft und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig, aber auch mühsam es für einen Verantwortungsträger ist, sein selbstgezimmertes, beschränktes Selbstbild und die darauf aufbauende Wahrnehmung zu übersteigen. Man muss viel von den Denkmustern und Äußerlichkeiten loslassen, über die man sich selbst definiert und jeden anderen Menschen als ebenbürtig betrachten lernen. Erst dann vermag man sinnvoll, nachhaltig und lebensbejahend für alle zu arbeiten und zu wirtschaften.

Ihre

Martina Violetta Jung

3 Kommentare zu “Die Krise der Weltschaft ist nur ein Symptom”

  1. barbara sagt:

    Ich teile diese Meinung. Oft frage ich mich nur, wie das denn gehen soll. Es setzt so eine grundlegende Bewusstseinsänderung des Menschen in all seinen Aspekten voraus. Selbst merke ich halt, dass das Denken, Fühlen, Handeln oft ganz klein und beschränkt ist. Man hängt so in den eigenen “Problemen” und ist nicht imstande in größeren Dimensionen zu denken bzw. zu spüren, dass wir alle Eins sind.

  2. Michael sagt:

    Ich kann den Betrag sehr gut nachvollziehen :-) . Ein erster Schritt aus der “Falle” besteht m.e. darin, sich auf die ureigenen Talente und intuitiven Kräfte zu besinnen, bei der Arbeit hier den Fokus zu setzen und sich von der “Task-List” Mentalität zu lösen. Ich persönlich habe dieses verbunden mit einer bewussten Abkehr vom Karriere-Streben fuer mein eigenes Berufsleben. Der zweite Aspekt ist die Schaffung eines persönlichen Freiraumes, um ausserhalb des Berufes einen Gegenpol zu setzen.

    • Martina.Violetta sagt:

      Ich kann Deine Entscheidung und Deinen Weg gut nachvollziehen. Ich halte es auch für möglich, Karriere und Privatleben so zu verknüpfen, dass ich in beiden “mein Wesen” leben kann. Das führt allerdings dazu, dass man sich erst einmal zu “mein Wesen” auf der Karriereleiter und im privaten Umfeld freischimmen muss. “Nein” sagen lernen, “das machen wir schon immer so” weit von sich weisen, ebenso wie die Erwartungshaltungen Dritter. All das stößt auf viel Unverständnis und führt dazu, dass sich die menschlichen Beziehungen im Leben neu ordnen. Mit besten Grüßen an die Binnenalster!

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